Bourgogne des Flanders

Bourgogne des Flandres ist ein belgisches rotbraunes Bier (Stil: „Flemish Red/Bruin” bzw. Mischgärung) aus der Region Flandern, Brugge in Westflandern. Es wird hergestellt, indem ein jüngeres obergäriges Bier mit Lambic (spontangärend / Holzfass gereift) vermischt wird („Verschnitt“) – typisch für diesen Stil.
Die Rezeptur geht zurück zur Familie Van Houtryve, mindestens seit 1825 wird in Brügge gebraut. Heute befindet sich die Brauerei „Brouwerij Bourgogne des Flandres“ in Brugge, Kartuizerinnenstraat 6, nur wenige Meter vom historischen Ort entfernt.
Geschmack & Besonderheiten
Farbe: Rötlich-braun, sahniger Schaum.
Geschmack: Kombination aus süßlichen Malznoten und dezenter Säure, fruchtige Komponenten durch das Lambic, Eichenholz-Aromen aus Fassreifung.
Brautechnik: Teilweise junges obergäriges Bier (Bruinen Os) und Lambic aus dem Hause Timmermans (Spontangärung). Das Zusammenspiel von Fruchtigkeit & Säure.
Woher stammt der Name?
Der Begriff „Bourgogne“ (französisch für Burgund) bezieht sich nicht direkt auf die Region Burgund (im heutigen Frankreich), sondern historisch auf die burgundische Zeit bzw. den Einfluss der „Burgundischen Niederlande“, als die Region Flandern unter der Herrschaft der Herzöge von Burgund stand. („De naam ‘Bourgogne’ verwijst naar de Bourgondische tijd waarin Brugge op de voorgrond stond.“ Quelle: Wikipedia)
Der Name will eine historische Verbindung betonen: Brugge und Flandern war in der Mittelalter- und Frühneuzeitstadt von Stil und Einfluss unter burgundischer Herrschaft (Herzogtum Burgund). Der Name soll also „Burgundisch-flämisches“ Flair suggerieren. Der Name ist historisch-symbolisch, nicht eine Angabe, dass es in Burgund Frankreich gebraut wird.
Aber warum heißt ein Bier aus dem flämischsprachigen Brügge nicht “Bourgondië van Vlaanderen” oder “Vlaamse Bourgogne”, sondern trägt konsequent einen französischen Namen? Französisch war in Flandern lange Prestige- und Oberschichtensprache. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war Französisch in Belgien – selbst im flämischen Norden – die übliche Sprache für: gehobene Gastronomie, Etiketten, Marken- und Luxusprodukte, Verwaltung, Adel und internationale Außenwirkung.
Auch in Brugge war Französisch in der Zeit der Industrialisierung die Prestige-Sprache, obwohl die Bevölkerung flämisch sprach. Ein Bier mit einer gehobenen Positionierung bekam daher häufig einen französischen Namen. Das ist vergleichbar mit deutschen Produkten, die früher oft französische Namen trugen, um Eleganz auszudrücken. Der Name ist bewusst „nostalgisch-burgundisch“, einee Epoche in der Brugge extrem wohlhabend und kulturell bedeutsam war.
Damals war die Hofkultur nun mal stark französisch geprägt. Ein französischer Name vermittelt daher bewusst: Tradition, Geschichte und Prestige.
Französisch ist außerdem „exportfreundlicher“. Belgische Biere wurden sehr früh exportiert. Französische Produktnamen wurden international leichter vermarktet, als „kulinarisch hochwertig“ wahrgenommen und gerne mit Wein- und Genusskultur assoziiert. Gerade ein Bier, das sich „die Burgunder Flanderns“ nennt, nutzt da den Effekt.
Warum kein flämischer Name heute? Ganz einfach: Markenwert. Der Name Bourgogne des Flandres ist seit mindestens 1900er Jahren etabliert. Man würde eine international bekannte Marke nicht mehr ändern.
