Bierverkostung
Vorbereitung
Biere wählen
Es gibt so viele Sorten, dass die Wahl nicht einfach ist. Daher macht es Sinn, ein Thema zu wählen, wie etwa
- Biere aus einer Region wie z.B. Belgische Biere oder Deutsche Brauer aus Franken
- Biere verschiedenster Stile, um die Vielfalt kennen zu lernen – z.B. unserer Trappisten & Abtei Biere
- oder aber für Fortgeschrittene verschiedenste Biere innerhalb eines Bierstils
Wie viele Biere verkosten?
Meist ist um die sechs Biere eine gute Anzahl. Pro Bier reichen einige Schlucke (etwa 100 – 150 ml), es braucht also nicht für jede Person eine ganze Flasche.
Es geht nicht darum, möglichst viel Bier zu trinken, sondern die Aromenvielfalt zu entdecken. Auch nicht vergessen: Einige Biere (zum Beispiel belgische Biere) haben mehr Alkohol und schmecken intensiver als z.B. ein gewöhnliches Pils.
Gläser
Am besten eignen sich kelchförmige Gläser für etwa 0,2 oder 0,3 Liter Inhalt. Sie sollten unten bauchförmig sein und nach oben etwas verengend zugehen, dann können sich die Aromen am besten entfalten. Gefüllt wird das Glas für die Verkostung gerne mit mehr Schaumbildung als normalerweise, der Schaum sollte sich gut entwickeln können. Das Glas muss dabei natürlich sauber sein, nach Möglichkeit nicht in der Spülmaschinen gespült worden sein. Vor Gebrauch mit frischem kaltem Wasser durchspülen.
Es gibt natürlich spezielle Verkostungsgläser, aber normale Weingläser tun es auch.
Werden sechs Biere verkostet, sollte theoretisch jeder auch sechs Gläser haben. Aber wer besitzt schon so viele Gläser? Leg nach zwei bis drei Runden einfach eine kurze Pause ein, um die Gläser für den nächsten Durchgang zu spülen.
Temperatur des Bieres
Das ist wichtiger als gedacht. Denn Bier, das direkt aus dem Kühlschrank getrunken wird, ist kalt und das kann die Aromen dämpfen.
Eine gute Faustregel ist, einfach den Alkoholgehalt zu betrachten. Wenn Dein Tripel 8 Prozent Alkohol hat, trinke es nicht unter 8 Grad Celsius.
Es ist meist besser, Bier wärmer zu verkosten als kälter. Kalte Biere sind „verschlossener“, erst, wenn sich ein Bier erwärmt, werden alle Aromen frei. Lies hier mehr über die richtige Trinktemperatur von Bier.
Neutralisierung
Wichtig ist, zwischen dem Probieren die Geschmacksnerven immer wieder zu neutralisieren. Das geht am besten mit Wasser. Ob Brot auch zum neutralisieren genutzt werden soll, da scheiden sich die Geister. Ich meine jedoch, dass auch Baguette absolut geeignet ist und selbst neutrale Cracker eignet sich zur Not auch.
Natürlich gibt es zu jedem Bier und Bierstil auch empfohlene Snacks und Gerichte – das ist jedoch etwas aufwändiger und lenkt oft von der eigentlichen Verkostung ab. Es sollte somit bei einer reiner Bierverkostung auf Speisen oder Snacks (wie Nüsse, Chips und Co.) verzichtet werden. Bei Verkostungen mit einem Foodpairing sieht es natürlich ganz anders aus.
Die eigentliche Bierverkostung
Zeit zum Einschenken! Aber noch drei Dinge vorweg:
- Bier wird nicht ausgespuckt: Wer ausspuckt, würde einen Teil der Bitterkeit verpassen, denn die Bitterrezeptoren befinden sich im Hals und sind wichtig für den vollen Biergeschmack.
- Nimm Dir Zeit, dann erst macht es wirklich Sinn und vor allem Spaß.
- Es gibt kein falsch. Das Ziel ist nicht objektiv wie ein Biersommerlier das Bier zu analysieren, sondern die spannende Aromenvielfalt der Bierwelt zu erkunden und natürlich zu erfahren, welches Bier Dir schmeckt.
In welcher Reihenfolge wird verkostet?
Generell gilt von leicht zu stark – hier gibt es zwei Faktoren zu beachten: den Alkoholgehalt und die Geschmacksintensität. Gewöhnlich fängt man beim Bier mit dem niedrigsten Alkoholgehalt an und arbeitet sich dann nach oben. Manchmal kann ein Bier mit weniger Alkohol aber einen intensiveren Geschmack haben, zum Beispiel durch zusätzliche Kräuter.
Wie verkostet man Bier richtig?
Die Verkostung lässt sich prinzipiell auf drei Schritte herunterbrechen: Sehen, Riechen, Schmecken.
Aussehen, Optik (Was siehst Du?)
Zu Beginn geht es um die optischen Eindrücke des Bieres: Farbe, Schaum und Trübung. Halte das Bier gegen eine Lichtquelle (Fenster/Lampe), um die Farbe zu betrachten. Achte dabei auch auf die Klarheit des Bieres. Hat es eine Trübung oder ist es klar? Auch der Schaum anschauen. Dazu das Glas leicht schwenken und beobachten ob und wie gut der Schaum am Glas haftet.
- Welche Farbe hat das Bier? Von hellgelb bis tiefschwarz.
- Welche Klarheit hat das Bier? Von klar, über verschwommen bis trüb.
- Wie steht es um die Schaumkrone? Klein oder groß, grob oder fein, standfest oder fällt schnell ein.
Geruch (Was riechst Du?)
Im zweiten Schritt geht’s ans Riechen, denn über unsere hochsensiblen Riechzellen erreicht uns ein ganzes Aromenspektrum. Das Glas etwas schwenken, um die Aromastoffe freizusetzen. Dann mit der Nase im Glas tief einatmen. Je öfter Du Dir die Zeit nimmst, sorgfältig zu riechen und zu beschreiben, was Dir auffällt, desto leichter wird es.
- Welche Aromen fallen Dir auf? Zum Beispiel Zitrusfrucht wie Grapefruit, Orange oder Limette, Karamellsüße, Kaffee, Schokolade, Pinie, Banane, gar Vanille, Butter, Koriander
Geschmack (Was schmeckst Du?)
Der dritte Schritt ist die eigentliche Verkostung. Die Zunge kann fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, sauer, salzig, bitter und Umami.
Vor dem Schluck einatmen, dann mit dem Schluck Bier im Mund über die Nase ausatmen, so lassen sich die Aromen besser wahrnehmen. Lass die Wahrnehmung wirken. Beschreibe gerne schon mal deine Wahrnehmung. Nimm dann einen weiteren Schluck und lass das Bier über Deine Zunge gleiten, halte sie ein paar Sekunden im Mund bevor Du schluckst. Wenn Du jetzt Deinen Mund öffnest, offenbaren sich die Aromen.
Achte dabei aber nicht nur auf den Geschmack selbst, sondern auch auf das Mundgefühl. Wie Spritzig ist das Bier? Fühlt es sich weich im Mund an?
- Wie süß ist das Bier? Wie sauer ist das Bier? Wie bitter ist das Bier?
- Wie intensiv sind die Aromen? Von leicht bis stark.
- Wie lange hält der Geschmack an? Von kurz bis lang.
- Welche weiteren Aromen kannst Du identifizieren (die Du beim Riechen noch nicht entdeckt hast)? Die Aromengrafik kann Inspiration geben.
Nimm dir Zeit
Gerne kannst du alle Eindrücke mitschreiben und Infos zum Bier notieren. So kannst du es später noch mal nachschlagen.
Biere bestehen aus mehreren 100 Einzelaromen. Beim Entdecken der Aromen kann es hilfreich sein, zuerst die Oberkategorie zu finden und anschließend detaillierter zu werden
Gib jedem Schluck Zeit, bis die Intensität der Aromen sich auf den Geschmacksknospen entfalten und versuchen alle Bereiche im Mundraum mit Bier zu benetzen. Vor allem bei bitterbetonten Bieren solltest du dem Nachtrunk Zeit geben, sich zu entwickeln. Die Bittere wird bis in den Rachen wahrgenommen und zeigt dort sehr oft erst sein Potential.
Faustregel: Es gibt kein falsch, es gibt kein richtig.
Jeder schmeckt anders und das macht das Vergnügen aus. Probiert, diskutiert und kommuniziert was ihr seht, was ihr schmeckt und auch was ihr fühlt. Ein Verkostung ist im Wesentliche eine Kommunikationsveranstaltung: Reden über Bier!
